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DELSUR investiert 67 Millionen US-Dollar in digitale Netzmodernisierung

Der salvadorianische Stromversorger DELSUR, Tochtergesellschaft des kolumbianischen Grupo EPM, hat einen Investitionsplan über 67 Millionen US-Dollar bis 2030 vorgestellt. Schwerpunkte: digitale Transformation, intelligente Netze, ESG-Ziele und CO₂-Neutralität bis 2029. Für die deutsche Industrie – insbesondere im Bereich Smart-Grid-Technologie, Netzautomatisierung und Batteriespeicher – markiert der Plan ein sichtbares Investitionsfenster in einer der dynamischeren Energieversorgungsregionen Mittelamerikas.

San Salvador. DELSUR, eines der beiden Hauptunternehmen im Stromverteilungsmarkt El Salvadors mit einem Marktanteil von rund 28 Prozent, hat im März 2026 seinen Jahresbericht 2025 und einen strategischen Investitionsplan bis 2030 vorgestellt. Zentrale Zahl: 67 Millionen US-Dollar für digitale Transformation und technologische Innovation über einen Zeitraum von vier Jahren.


Das Unternehmen versorgt mehr als 470.000 Kunden in 79 Gemeinden von fünf Departements – La Libertad, San Salvador, La Paz, San Vicente und Cuscatlán – und betreibt ein rund 11.000 Kilometer langes Verteilnetz. DELSUR wurde 1996 gegründet und gehört seit 2011 zum kolumbianischen Grupo EPM (Empresas Públicas de Medellín), einem der größten Multi-Utility-Konzerne Lateinamerikas mit rund fünf Millionen Kunden in mehreren Ländern der Region.


Kernzahlen 2025

Die Vorlage des Jahresabschlusses bestätigt eine solide operative Basis. Der Umsatz erreichte 419,8 Millionen US-Dollar, das EBITDA lag bei 42,5 Millionen US-Dollar und der Nettogewinn bei 17,2 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2025 investierte das Unternehmen 32,2 Millionen US-Dollar in Netzmodernisierung, Ausbau und Stärkung des Verteilsystems. Für 2026 ist die höchste Jahresinvestition der Unternehmensgeschichte vorgesehen – 47,61 Millionen US-Dollar, davon 31,42 Millionen US-Dollar allein für Netzmodernisierung und Digitalisierung.

Ein bemerkenswerter Betriebswert: 71 Prozent der über das DELSUR-Netz verteilten Energie stammten 2025 aus erneuerbaren Quellen – ein Anteil, der die salvadorianische Matrix insgesamt widerspiegelt und über dem europäischen Durchschnitt liegt. Zum Vergleich: In Deutschland erreichten erneuerbare Energieträger im ersten Quartal 2026 einen Anteil von 53,3 Prozent an der Netzeinspeisung.


ESG-Agenda mit quantifizierten Zielen

Der Investitionsplan ist eingebettet in eine ESG-Strategie mit sieben konkreten Zielen. Nach Angaben der Direktorin für Nachhaltigkeit und Kommunikation, María Teresa Menéndez, plant DELSUR CO₂-Neutralität bis 2029, eine Reduktion der Häufigkeit von Stromausfällen um 35 Prozent sowie eine Verringerung ihrer Dauer um 53 Prozent im selben Zeitraum. Zusätzlich sollen 26 Millionen US-Dollar in Initiativen zum Schutz von Wasserressourcen, Fauna und Flora fließen.

Die technische Roadmap 2026–2029 nennt konkrete Handlungsfelder: intelligente Netze (Smart Grids), Echtzeit-Betriebsführung, fortgeschrittene Analytik, Cybersicherheit und digitale Omnichannel-Plattformen. Der Konzern verfügt außerdem über eine Kreditwürdigkeitsbewertung AAA, die die finanzielle Grundlage für den Investitionszyklus stützt.


Der Fall Surf City als Testfeld

Ein Bereich mit besonders hoher Investitionsaktivität ist der Küstenstreifen der La-Libertad-Region rund um Surf City, wo Tourismus und wirtschaftliche Aktivität die Stromnachfrage stark erhöht haben. Investitionen in Netzinfrastruktur – darunter der Ersatz konventioneller Masten durch intelligente Glasfaser- und Betonpfosten – haben die Energiequalität in der Region um 58 Prozent verbessert. Für ein Küstengebiet, das zunehmend internationale Investitionen im Tourismus- und Immobiliensektor anzieht, ist die Stabilität der Stromversorgung ein direktes Kriterium der Standortqualität.


Die technische Zusammensetzung des DELSUR-Investitionsplans deckt sich mit klassischen Stärkefeldern der deutschen Industrie: Netzautomatisierung, Umspannwerkstechnik, Steuerungssysteme, Cybersicherheit für kritische Infrastruktur, Softwareplattformen für Netzbetrieb und Batteriespeicher. Unternehmen wie Siemens Energy, ABB Deutschland, SMA Solar Technology, Sungrow-Deutschland, Phoenix Contact und Rittal decken diese Kategorien international ab und sind in vergleichbaren Modernisierungsprogrammen lateinamerikanischer Netzbetreiber präsent.


Für europäische Anbieter kommen zwei zusätzliche Aspekte hinzu. Erstens die regulatorische Kompatibilität: Die ESG-Berichterstattung und CO₂-Neutralitätsziele von DELSUR entsprechen dem Rahmen, der auch von europäischen Richtlinien (CSRD, CSDDD) gefordert wird – ein Punkt, der Compliance-Prüfungen deutscher Zulieferer erleichtert.

Zweitens die Konzernbindung an den Grupo EPM, dessen internationale Beschaffungsprozesse überregionale Sichtbarkeit für Anbieter schaffen können, die über El Salvador hinaus auch andere EPM-Märkte (Guatemala, Panama, Kolumbien, Mexiko, Chile) adressieren möchten.


Ein integrierender Kontext

Der Plan von DELSUR fügt sich in ein breiteres Bild ein. Die salvadorianische Strommatrix ist bereits zu über 68 Prozent erneuerbar; die Regierung treibt zusätzlich ein Nuklearprogramm auf SMR-Basis für den Zeithorizont 2030 voran und hat mit der Investitionswelle des Wasserwirtschaftsversorgers ANDA eine sichtbare Modernisierungslinie in der Infrastruktur eröffnet. Zusammen bilden diese Bewegungen einen strukturellen Trend, den deutsche Anbieter mittelfristiger Infrastrukturtechnologie zunehmend beobachten – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Repositionierung des mittelamerikanischen Marktes als möglicher Nearshoring-Standort.


Die Deutsch-Salvadorianische Industrie- und Handelskammer (DHK), zu deren Mitgliedsunternehmen unter anderem DELSUR gehört, informiert regelmäßig über Entwicklungen im Energiesektor Mittelamerikas und begleitet den Austausch zwischen deutschen Technologieanbietern und regionalen Netzbetreibern.


Quellen: DELSUR, Comisión de Integración Eléctrica Regional (CIER).


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